Aus dem Arbeitsalltag

«Der Mensch, den ich begleite, steht für mich immer im Vordergrund.»

Wer sind Sie?

Mein Name ist Jeannine Leuenberger. Ich arbeite im Wohnheim Öpfuböimli in Nyffel bei Huttwil mit Menschen mit einer kognitiven und/oder mehrfachen Beeinträchtigung. Ich bin ausgebildete Fachfrau Gesundheit (FaGe). Ich bin Teil des erweiterten Führungsteams und trage dort die Bildungsverantwortung für unsere Lernenden sowie für unsere Mitarbeitenden. Die Begleitung, Förderung und Entwicklung von Menschen in ihrem beruflichen Alltag ist für mich ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit und eine grosse persönliche Motivation.

Wie lange arbeiten Sie bereits in der Pflege und wie lange in der jetzigen Organisation?

Meine Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit habe ich von 2013 bis 2016 absolviert. Seitdem begleite ich Menschen in der Pflege auf ihrem Lebensweg. Von 2016 bis 2023 durfte ich Menschen mit Demenz betreuen, was mich sowohl fachlich als auch menschlich sehr geprägt hat. Seit August 2023 arbeite ich im Wohnheim Öpfuböimli, wo ich Menschen mit kognitiven und mehrfachen Beeinträchtigungen begleite und in ihrem Alltag unterstütze.

In welchen Funktionen?

In meiner beruflichen Laufbahn als Fachfrau Gesundheit habe ich neben der direkten Betreuung immer wieder zusätzliche Aufgaben übernommen. 2019 habe ich eine Kinästhetik-Weiterbildung absolviert und begann danach, Mitarbeitende in diesem Bereich anzuleiten und zu unterstützen. Zudem habe ich interne Medikamentenschulungen durchgeführt. Ab 2021 übernahm ich in meinem früheren Betrieb die Bildungsverantwortung für drei Lernende. Nach meinem Stellenwechsel begleitete ich weiterhin eine Lernende bis 2024. Seit 2025 bin ich in meiner jetzigen Organisation als Bildungsverantwortliche tätig und begleite sowohl Lernende als auch Mitarbeitende in Weiterbildungen.

Warum haben Sie diesen Beruf gewählt?

Ich wusste schon früh, dass ich mit Menschen arbeiten möchte. Als ich zwölf Jahre alt war, kam meine Urgrossmutter in ein Heim. Bei einem Besuch erlebte ich, wie ein Pfleger ihr ohne Vorankündigung den Becher an den Mund führte und sie aufforderte zu trinken, ohne ihr Zeit zu lassen, selbst zu entscheiden oder zu reagieren. Dieser Moment hat mich schockiert.

Damals habe ich mir vorgenommen, dass ich es einmal anders machen möchte: Menschen mit Respekt, Würde und Zeit begegnen. Dieser Wunsch, Menschen auf Augenhöhe zu begleiten und ihnen Selbstbestimmung zu ermöglichen, begleitet mich bis heute und war ein entscheidender Grund, warum ich den Beruf der Fachfrau Gesundheit gewählt habe.

Welche Weiterbildung absolvieren Sie derzeit?

Derzeit absolviere ich den Lehrgang Langzeitpflege und -betreuung bei ARTISET Bildung in Luzern. Die Weiterbildung umfasst insgesamt 40 Kurstage und vertieft mein fachliches Wissen sowie meine Handlungskompetenzen in der Begleitung von Menschen in der Langzeitpflege.

Was hat Sie dazu motiviert, diese Weiterbildung zu beginnen?

Ich wollte mein fachliches Wissen weiter vertiefen und mich persönlich weiterentwickeln.
Gleichzeitig habe ich nach einer Alternative zur HF-Ausbildung gesucht, da diese für mich finanziell nicht realisierbar war und ich weiterhin zu 80 % arbeiten wollte. Zwei meiner früheren Mitarbeitenden absolvierten bereits diesen Lehrgang und erzählten mir viel über ihre Erfahrungen. Ihre Berichte haben mich sehr angesprochen und mir gezeigt, dass dieser Bildungsgang gut zu mir passt, und so wurde meine Entscheidung immer klarer.

Welche Bedenken hatten Sie vor Beginn?

Vor Beginn der Weiterbildung hatte ich einige Zweifel. Ich fragte mich, ob ich die schulischen Anforderungen und meine Arbeit miteinander vereinbaren kann, wie hoch der zeitliche Aufwand sein würde und ob ich das alles gut bewältigen kann. Besonders die Frage „Schaffe ich das?“ hat mich dabei stark begleitet.

Wie haben Sie diesen Bildungsgang ausgewählt?

Auf den Lehrgang bin ich durch frühere Mitarbeitende aufmerksam geworden, die diese Weiterbildung bereits absolviert hatten. Ihre positiven Erfahrungen und persönlichen Berichte haben mir einen guten Einblick gegeben und mir geholfen, mich bewusst für diesen Bildungsgang zu entscheiden.

Was erwarten Sie von dieser Weiterbildiung?

Ich habe mir von dieser Weiterbildung erhofft, mein Wissen weiter zu vertiefen und mehr Sicherheit in meiner täglichen Arbeit zu gewinnen. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass meine Weiterentwicklung und mein Engagement in meinem Beruf gesehen und wertgeschätzt werden.

Wie bringen Sie Ihre Arbeit und Ihr Studium unter einen Hut?

Ich habe das grosse Glück, einen sehr unterstützenden Arbeitgeber und ein tolles Team an meiner Seite zu haben. Da ich weiterhin zu 80 % arbeite und die Schultage als Arbeitszeit angerechnet werden, bleibt neben dem Lernen auch noch etwas Zeit für mich. Wichtig ist dabei vor allem eine gute und langfristige Planung, damit Arbeit, Weiterbildung und Erholung im Gleichgewicht bleiben.

Was sind die bereicherndsten Aspekte der Weiterbildung?

Besonders bereichernd empfinde ich die praxisnahe Theorie. Viele Dozierende kommen selbst aus der Praxis und bringen konkrete Beispiele aus ihrem Berufsalltag mit, was den Unterricht sehr lebendig und verständlich macht. Wenn ich versuche, das Gelernte in der Praxis umzusetzen und es nicht sofort gelingt, kann ich jederzeit mit meinen Fragen auf die Dozierenden zugehen und bekomme wertvolle Unterstützung.

Durch die Vertiefung meines Wissens fühle ich mich in meinem Handeln deutlich sicherer. Auch der Austausch mit meinen Klassenkameradinnen ist für mich sehr wichtig und hilfreich, da wir voneinander lernen und uns gegenseitig stärken.

Gab es einen Moment, der Sie besonders geprägt hat?

Es gab während der Weiterbildung immer wieder Momente, in denen mir sprichwörtlich „es Zwänzgi gheit isch“ und ich plötzlich Zusammenhänge besser verstanden habe. Besonders wertvoll war dabei auch, dass wir eine kleine Klasse sind und viele Themen sehr persönlich besprechen konnten. Das Vertrauen innerhalb der Klasse ist gross, was gerade bei sensiblen Themen wie dem Tod sehr spürbar wurde. Diese offenen und ehrlichen Gespräche haben mich tief berührt und nachhaltig geprägt.

Ein Hindernis, dem Sie begegnet sind, und wie Sie es überwunden haben.

Grössere Hindernisse im eigentlichen Sinn gab es für mich nicht. Manchmal stehe ich mir eher selbst im Weg, weil ich hohe Ansprüche an mich habe und sehr kritisch mit mir umgehe. Im Laufe der Weiterbildung habe ich jedoch gelernt, mir selbst mehr zu vertrauen und mir auch zuzugestehen, dass Lernen ein Prozess ist und nicht alles sofort perfekt sein muss.

Wie hat die Weiterbildung Ihre Arbeitsweise oder Ihre Sicht auf den Beruf verändert?

Durch die Weiterbildung hinterfrage ich meine Arbeit heute stärker und bewusster, da mir mehr Fachwissen zur Verfügung steht. Der Mensch, den ich begleite, steht dabei für mich immer im Vordergrund. Meine grundsätzliche Sicht auf den Beruf hat sich zwar nicht stark verändert, aber ich gehe reflektierter und sicherer mit Situationen im Berufsalltag um.

Empfinden Sie heute einen stärkeren Sinn und eine grössere persönliche Erfüllung in Ihrer Arbeit dank dieser Weiterbildung? Wenn ja, wie zeigt sich das konkret?

Mein Beruf hat mich schon vor dieser Weiterbildung sehr erfüllt und das tut er auch weiterhin. Der Lehrgang hat mir zusätzlich mehr Sicherheit und fachliche Tiefe gegeben, aber die Freude und der Sinn in meiner Arbeit waren schon immer ein wichtiger Teil meines Berufslebens.

Welche Kompetenzen haben Sie entwickelt oder gestärkt?

Besonders viel konnte ich aus dem Modul Palliative Care sowie aus dem gerontopsychiatrischen Bereich mitnehmen. Durch das vertiefte Fachwissen fühle ich mich heute in der Pflege und in der Betreuung deutlich sicherer und kann Menschen in herausfordernden Situationen besser begleiten.

Welche Pläne oder Wünsche haben Sie für die Zukunft?

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass der eidg. Fachausweis «Fachfrau/-mann Langzeitpflege und -betreuung» eine grössere Bekanntheit und Wertschätzung erhält. Die Inhalte und die Qualität dieser Weiterbildung verdienen aus meiner Sicht eine breitere Anerkennung, da sie die Arbeit in der Langzeitpflege spürbar stärkt.

Planen Sie eine weitere Weiterbildung?

Nach dem Abschluss des Lehrgangs plane ich, mich zur Berufsprüfung anzumelden und diese hoffentlich erfolgreich zu bestehen. Danach habe ich vorerst keine weiteren Weiterbildungen geplant. Wie es in einem Jahr aussieht, kann ich aktuell noch nicht sagen, ich lasse mich offen auf das ein, was kommt.