Aus dem Arbeitsalltag

«Die Ausbildung hat meine Berufspraxis verändert: Sie hat mir eine strukturiertere, wissenschaftlichere Perspektive vermittelt und meiner Arbeit einen tieferen Sinn gegeben.»

Wer sind Sie?

Mein Name ist Paul Brizard. Ich arbeite als klinischer Pflegeexperte (Master of Science in Nursing) bei der Genfer Spitex IMAD (Institution genevoise de maintien à domicile).

Wie lange arbeiten Sie bereits in der Pflege?

In der Pflege arbeite ich bereits seit 2006, bei der IMAD seit 2017.

In welchen Funktionen?

Von 2006 bis 2023 war ich als Pflegefachmann tätig. Seit 2025 arbeite ich nun als klinischer Pflegeexperte.

Warum haben Sie diesen Beruf gewählt?

Ich habe mich für den Pflegeberuf entschieden, weil ich mich für Medizin interessiere und den Wunsch hatte, meine berufliche Tätigkeit in den Dienst der Gesellschaft zu stellen. Ich habe anschliessend einen Abschluss in erweiterter Pflegepraxis (Advanced Nursing Practice) gemacht, um die wissenschaftliche Grundlage meiner Tätigkeit zu stärken und in Bezug auf die Qualität und die Weiterentwicklung der Krankenpflege mehr Einfluss nehmen zu können.

Was hat Sie dazu motiviert, diese Weiterbildung zu beginnen?

Die Weiterbildung zum klinischen Pflegeexperten entsprach meinem Wunsch nach persönlicher und beruflicher Weiterentwicklung – mit dem Ziel, meine Kenntnisse zu vertiefen und die wissenschaftliche Herangehensweise in meiner Tätigkeit zu stärken. Sie stand auch in Einklang mit den aktuellen Herausforderungen im Bereich der häuslichen Pflege, die evidenzbasierte Pflegepraktiken erfordert. Die Möglichkeit, in meiner Einrichtung eine Vorreiterrolle einzunehmen und einen Beitrag zu ihrer Weiterentwicklung zu leisten, war eine wichtige Motivation für mich.

Welche Bedenken hatten Sie vor Beginn?

Abgesehen von Fragen zur Vereinbarkeit von Privatleben, Beruf und Studium hatte ich vor dem Beginn der Weiterbildung keine grösseren Bedenken. Dank der Unterstützung meines Arbeitgebers und der günstigen Bedingungen konnte ich dieses Projekt gelassen angehen, obwohl mir der Aufbau des Studiengangs noch nicht bekannt war.

Wie haben Sie diesen Bildungsgang ausgewählt?

Ich habe mich auf ein Angebot meines Arbeitgebers beworben, der Stellen für den Master of Science in Pflegewissenschaft (MScN) ausgeschrieben hatte.

Welche Erwartungen hatten Sie an diese Weiterbildung?

Ich habe mir von der Weiterbildung die Entwicklung erweiterter Kompetenzen und den Erwerb eines Universitätsabschlusses versprochen, der für meine Funktion relevant ist.

Wie haben Sie Ihre Arbeit und Ihr Studium unter einen Hut gebracht?

Ich konnte mein Arbeitspensum auf 20 % reduzieren, wodurch ich die nötige Zeit für mein Studium hatte – ganz ohne Lohnausfall. Das hat mir die Vereinbarkeit von Arbeit und Ausbildung ganz klar erleichtert.

Was sind die bereicherndsten Aspekte der Weiterbildung?

Es gibt viele bereichernde Aspekte, aber zwei stechen besonders hervor: die guten Beziehungen, die ich zu meinen Kommilitoninnen und Kommilitonen aufgebaut habe, und die Möglichkeit, in die akademische Welt der Pflegewissenschaft und -forschung einzutauchen – das war für mich eine echte Offenbarung.

Gab es einen Moment, der Sie besonders geprägt hat?

Es gab natürlich viele prägende Momente. Ich denke dabei insbesondere an die Diplomfeier, die symbolisch für den erfolgreichen Abschluss von zwei Jahren Arbeit steht. Aber – eher unerwartet – erinnere ich mich auch an den Beginn der Ausbildung, als mir klar wurde, dass der «Doktor», der den Einführungstag leitete, kein Arzt, sondern Doktor der Pflegewissenschaft war.

Gab es ein Hindernis, dem Sie zu begegnen hatten, und wie haben Sie es überwunden?

Ich hatte eigentlich mit keinen grösseren Hindernissen zu kämpfen, aber gewisse Phasen waren anspruchsvoller als andere, insbesondere die Prüfungsvorbereitungen und die Prüfungen. Ich erinnere mich besonders gut an den Anfang des dritten Semesters, als einige meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen ihre Abschlussarbeit bereits fast fertig geschrieben hatten, während ich noch weit davon entfernt war. Das hat mich gelehrt, einen Schritt zurückzutreten, zu akzeptieren, dass jeder sein eigenes Tempo hat, und mich auf meine eigenen Ziele zu konzentrieren. Das war eine lehrreiche Erfahrung, die meinen Alltag noch heute prägt.

Wie hat die Weiterbildung Ihre Arbeitsweise oder Ihre Sicht auf den Beruf verändert?

Die Ausbildung hat mich dazu befähigt, meine Berufspraxis reflektierter zu betrachten und mich dabei stärker auf einen wissenschaftlichen Ansatz zu stützen. Ausserdem hat sie meinen Blick auf den Pflegeberuf erweitert und mich dazu gebracht, Pflege nicht nur auf einer individuellen Ebene zu betrachten, sondern auch im Hinblick auf die Weiterentwicklung der Pflegepraktiken, der Organisationen und der Gesundheitspolitik – insbesondere im Bereich der Pflege zu Hause.

Verspüren Sie heute dank dieser Weiterbildung mehr Sinnhaftigkeit und eine grössere persönliche Erfüllung in Ihrer Arbeit? Wenn ja, wie zeigt sich das konkret?

Die Ausbildung hat vor allem dazu geführt, dass ich meiner beruflichen Tätigkeit eine noch grössere Bedeutung beimesse. Dank ihr kann ich meine Arbeit heute mit einer strukturierteren und kohärenteren Vision angehen, die auf einem wissenschaftlichen Ansatz basiert. Konkret äussert sich das durch eine selbstbewusstere Haltung bei der Durchführung von Projekten und in Bezug auf meinen Beitrag zur Weiterentwicklung der Praktiken in der häuslichen Pflege.

Welche Kompetenzen haben Sie entwickelt oder gestärkt?

Durch die Weiterbildung konnte ich meine Kompetenzen im Bereich Clinical Reasoning – also im klinischen Denken, in der klinischen Argumentation – und bei der Beurteilung der Praktiken stärken. Dies mit dem Ziel, die Pflegequalität und die Patientensicherheit kontinuierlich zu verbessern. Ausserdem konnte ich Kompetenzen in den Bereichen Change-Management und ethische Reflexion entwickeln, die für die Weiterentwicklung der Pflege zu Hause nützlich sind.

Welche Pläne oder Wünsche haben Sie für die Zukunft?

Meine Pläne für die Zukunft stehen im Einklang mit meinen derzeitigen Tätigkeiten, nämlich der Entwicklung und Einführung klinischer Behandlungspfade in der häuslichen Pflege, insbesondere in den Bereichen Übergangspflege, Rehabilitation zu Hause und Prävention. Ich möchte diese Arbeit in enger Zusammenarbeit mit den Fachleuten aus der Praxis fortsetzen und dabei sicherstellen, dass die umgesetzten Massnahmen und Praktiken auf evidenzbasierten Erkenntnissen beruhen und auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten und der Pflegekräfte zugeschnitten sind. Ich bin auch offen dafür, meine akademische Entwicklung fortzusetzen, insbesondere durch ein Doktorat, wenn die Bedingungen dafür gegeben sind.