Aus dem Arbeitsalltag

Für mich bedeutet Pflege nicht nur, Menschen zu helfen, sondern auch, sie und ihre Geschichte kennenzulernen und auf ihrem Weg zu begleiten.

Wer sind Sie?

Mein Name ist Ramona Vögeli. Zurzeit befinde ich mich in meinem letzten Studienjahr zur diplomierten Pflegefachfrau HF. Meine Ausbildung absolviere ich in der Tertianum Residenz Sphinxmatte Solothurn.

Wie lange arbeiten Sie bereits in der Pflege insgesamt und wie lange in der jetzigen Organisation?

Ich arbeite nun mein sechstes Jahr in der Pflege und dies in der gleichen Institution.

In welchen Funktionen?

Ich habe die dreijährige EFZ-Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit absolviert und anschliessend direkt mit dem Studium zur Pflegefachfrau gestartet.

Warum haben Sie diesen Beruf gewählt?

Schon in jungen Jahren interessierte ich mich für Wissen rund um den Menschen. Die Entscheidung für diesen Beruf habe ich zwar sehr kurzfristig, aber mit voller Überzeugung getroffen. Für mich bedeutet Pflege nicht nur, Menschen zu helfen, sondern auch, sie und ihre Geschichte kennenzulernen und auf ihrem Weg zu begleiten. Ein wichtiger Grund für meine Berufswahl war, dass ich Beziehungen zu Menschen aktiv und täglich erleben kann, Abwechslung im Alltag habe und täglich Dankbarkeit erhalte.

Ein weiterer Grund war die Möglichkeit, in einem Beruf zu arbeiten, der sowohl fachlich anspruchsvoll, als auch menschlich sinnstiftend ist.

Welche Ausbildung absolvieren Sie derzeit?

Ich befinde mich im letzten Semester des dreijährigen Studiums zur Diplomierten Pflegefachfrau HF.

Was hat Sie motiviert, diese Ausbildung zu beginnen?

Bereits während meiner Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit konnte ich erste Erfahrungen in der Übernahme von Verantwortung sammeln. Aus Interesse und Freude am Beruf wollte ich meine Kompetenzen und mein Wissen vertiefen, um in meinem Arbeitsalltag mehr Verantwortung zu übernehmen sowie ein vertiefteres Wissen zu erhalten. Ich wollte nicht nur mehr Verantwortung übernehmen, sondern auch verstehen, wie ich Pflege aktiv mitgestalten kann.

Welche Bedenken hatten Sie vor Beginn?

Zweifel hatte ich nur wenige, da ich bereits von der Ausbildung überzeugt war.

Meine einzigen Bedenken betrafen die kurze Arbeitserfahrung und das junge Alter. Vor allem, was die geringe Erfahrung in den verschiedenen Bereichen angeht.

Ich fragte mich, ob ich die Brücke zwischen Arbeit, Schule und Privatleben gut bewältigen kann. Diese Bedenken waren für mich jedoch kein Hindernis und haben sich in der Ausbildung auch nicht bestätigt.

Wie haben Sie diesen Bildungsgang ausgewählt?

Ich hatte das Glück, dass meine Institution mich angefragt und mir einen Platz für die Ausbildung bereitgestellt hatte. Ein weiterer Punkt war die GSBS-Schule in Olten. Durch die Weiterempfehlung von Lehrpersonen und die Vorstellung des Studiengangs wurde mein Interesse gestärkt.

Was erwarten Sie von dieser Ausbildung?

Mehr Wissen, Sicherheit und Verantwortung in meinem Berufsalltag sowie mehr Hintergrundwissen in meinem Beruf.

Wie bringen Sie Ihre Arbeit und Ihr Studium unter einen Hut?

Durch die Aufteilung des Studiums in Schulblöcke habe ich die Möglichkeit, mich abwechselnd auf die Praxis oder die Schule zu fokussieren. Dies hilft mir beim Lernen der Theorie sowie bei der aktiven Auseinandersetzung in der Praxis.

Es ist aber auch Selbstdisziplin gefragt. Mit einer guten Aufteilung des Tagesablaufs bleibt aber genügend Zeit, um andere Aktivitäten wahrzunehmen.

Das Wichtigste war für mich, eine Routine zu entwickeln und Prioritäten klar zu setzen.

Ich habe gelernt meine Energie bewusster einzuteilen.

Was sind die bereicherndsten Aspekte der Ausbildung?

Diese fallen im schulischen und im praktischen Bereich anders aus. In der Schule ist es sehr wertvoll, sich aktiv mit Situationen in der Klasse auseinanderzusetzen. So können verschiedene Sichtweisen und unterschiedlicher Menschen kennengelernt werden.

In der Praxis fand ich es sehr schön zu sehen, welche neuen Kompetenzen auf einen zukommen. Diese erkennt man selbst und plötzlich ergeben Handlungen mehr Sinn. Mit jedem weiteren Jahr werden das Verständnis für Situationen und der Umgang mit den Bewohnenden tiefer und komplexer. Wertvoll war für mich auch die Reflexion über meine eigene Haltung. Während der Ausbildung lernte ich, das eigene Handeln bewusster zu hinterfragen und mich sowohl fachlich als auch persönlich weiterzuentwickeln.

Ein Moment, der Sie besonders geprägt hat?

Mich für nur einen Moment zu entscheiden ist sehr schwierig. Ich habe bereits sehr viele Situationen und Momente erlebt, die mich geprägt haben. Wenn man mit Menschen arbeitet und sie in ihren Lebensphasen begleitet, sind meiner Meinung nach fast alle Begegnungen prägend – egal, ob positiv oder negativ. Für mich waren die Situationen besonders wertvoll, in denen ich meine Bewohner in der letzten Lebensphase oder bei der Rehabilitation unterstützen konnte.

In einer konkreten Situation aus der Palliativpflege, welche ich begleitet habe, wurde mir zum ersten Mal in meiner Ausbildung bewusst, wie viel Verantwortung und auch Vertrauen ich von dem Bewohnenden, den Angehörigen, dem begleitenden Arzt und auch dem Pflegeteam erhalten habe. Das in dieser Zeit mir entgegengebrachte Vertrauen und die Dankbarkeit haben mir gezeigt, wie bedeutend professionelle Pflege, fachliche Sicherheit und eine vertrauensvolle Beziehungsgestaltung in emotional herausfordernden Situationen sind.

Durch diese Erfahrung wurde ich in meiner Überzeugung, weshalb ich diesen Beruf ausgewählt habe, noch einmal bestärkt.

Ein Hindernis, dem Sie begegnet sind, und wie Sie es überwunden haben?

Ich denke, jedem Menschen, der eine höhere Fachschule besucht oder besucht hat, ist bewusst, dass dies viel kognitive Aufmerksamkeit und Selbstdisziplin erfordert. Das Studium war anfangs schwierig, nicht aufgrund der Inhalte, sondern wegen der Umgewöhnung an die längeren Schulblöcke. Durch einen besseren Ausgleich in meinem Privatleben, den Austausch mit meinem Umfeld und mein Interesse am Studium konnte ich das besser bewältigen. Wichtig war für mich, mein Ziel im Auge zu behalten.

Wie hat die Ausbildung Ihre Arbeitsweise oder Ihre Sicht auf den Beruf verändert?

Die Ausbildung hat meine Sicht auf den Pflegeberuf massgeblich verändert. Ich verstehe heute viel besser, warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden und wie komplex die Zusammenhänge zwischen Pflege, Medizin, Organisation sowie Ethik und Recht tatsächlich sind. In meiner täglichen Arbeit handle ich nun bewusster, reflektierter und mit einem grösseren Verständnis aufgrund dieses Wissens. Ich nehme Situationen differenzierter wahr und kann fachliche Überlegungen klarer begründen. Gleichzeitig hat sich mein Verständnis für Verantwortung verändert. Heute werde ich stärker in Entscheidungen involviert.

Die Ausbildung hat nicht nur meine Arbeit, sondern auch meine persönliche Entwicklung beeinflusst. Der Umgang mit Menschen als Individuen und die Sensibilisierung für verschiedene Themen begleitet mich täglich.

Empfinden Sie heute einen stärkeren Sinn und eine größere persönliche Erfüllung in Ihrer Arbeit dank dieser Ausbildung? Wenn ja, wie zeigt sich das konkret?

Ja, durch die Ausbildung konnte ich meine Arbeit fundierter verstehen und bewusster gestalten. Besonders erfüllend ist für mich, dass ich meine Bewohner und Patienten heute noch individueller begleiten kann, weil ich Situationen schneller erfasse und gezielter eingreifen kann. Auch die Beziehungsgestaltung hat an Tiefe gewonnen.

Es fällt mir einfacher, Gespräche zu führen, Emotionen einzuordnen und die Angehörigen professionell zu unterstützen. Die grösste Erfüllung ist für mich zu spüren, welche Wirkung das eigene Handeln hat – fachlich wie auch menschlich.

Welche Kompetenzen haben Sie entwickelt oder gestärkt?

  • Erweiterte klinische Beurteilungskompetenz
  • Kommunikation und Beziehungsgestaltung
  • Übernahme von Verantwortung und Teamarbeit
  • Evidenzbasiertes Arbeiten und Reflexion meiner Handlungen
  • Organisieren und Priorisieren
  • Stärkung im Bereich der Berufspolitik

Welche Pläne oder Wünsche haben Sie für die Zukunft?

Ich möchte meine Rolle als Pflegefachfrau weiterverfolgen und mich in verschiedenen Bereichen engagieren, in denen Beziehungen, Kommunikation und komplexe Situationen im Vordergrund stehen. Ich hoffe, dass ich durch mein Wissen und meine Freude am Beruf das Interesse weiterer Menschen wecken kann. So kann ich aufzeigen, wie bereichernd und wichtig der Pflegeberuf in all seinen Funktionsstufen ist.

Für eine gute Pflege wird in allen Bereichen mehr Zuwachs benötigt.

Planen Sie eine weitere Weiterbildung/Ausbildung?

Mein Ziel ist es, in Richtung Berufsbildung einzusteigen, um Lernende und Studierende in ihrem Lernprozess und persönlichen Wachstum zu begleiten. Zusätzlich kann ich mir gut vorstellen, eine Weiterbildung im Bereich der Palliative Care oder eine vertiefende Fachweiterbildung zu absolvieren. Die Türen zur Weiterbildung nach dem Studium zur Diplomierten Pflegefachfrau stehen in alle Richtungen offen. Das ist attraktiv.

In der Pflege hört man nie auf zu lernen, mit oder ohne Weiterbildung.