Aus dem Arbeitsalltag
„Ich wollte lernen, in der Pflege zu argumentieren.“
Wie lange arbeiten Sie bereits in der Pflege und wie lange in der jetzigen Organisation?
Ich habe 2014 meinen BScN abgeschlossen und arbeite seither im Pflegebereich. Fast zehn Jahre habe ich im Kantonsspital St. Gallen auf einer orthopädischen Bettenabteilung gearbeitet. Zuerst als Dipl. Pflegefachfrau und Qualitätsverantwortliche Station, danach als Fachverantwortliche Pflege. Von 2019 bis2021 habe ich meinen MScN abgeschlossen. Anschliessend habe ich, ebenfalls am KSSG, als Pflegeexpertin im Wirbelsäulenzentrum gearbeitet. Nach einer 2 Jährigen Auszeit/Reisepause habe ich bei der Spitex St. Gallen im April 2024 als Pflegeexpertin gestartet.
In welchen Funktionen?
Nach gut einem Jahr durfte ich innerhalb der Spitex meine Funktion wechseln und übernahm die Funktion der Pflegedienstleitung.
Warum haben Sie diesen Beruf gewählt?
Eigentlich wollte ich nie in den Pflegebereich. Als ich mit 17 die FMS abgeschlossen hatte, wollte ich Sekundarlehrerin werden. Um studieren zu können, habe ich die Fachmatura nachgeholt und durfte in Münsterlingen auf einer onkologischen Abteilung als Praktikantin arbeiten. Diese Arbeit hat mir sehr gut gefallen und ich habe gemerkt, dass sie mir liegt. Meine damalige Ausbildnerin hat mich ermutigt. Sie meinte, an mir würde eine gute Pflegefachfrau verloren gehen. Nach dem 6-monatigen Praktikum habe ich mich schliesslich für den BScN angemeldet. Ich wusste damals schon, dass mich eine Mischung aus direkter Pflege und konzeptioneller Arbeit anspricht. Damals konnte ich mir auch vorstellen, mit meinem BScN im Ausland zu arbeiten.
Dass es mich in die personelle Führung ziehen wird, habe ich lange Zeit nicht gedacht. Doch nach einigen Jahren Berufserfahrung habe ich gelernt, dass gewisse Bereiche nur aus der direkten Führung heraus beeinflusst werden können.
Was hat Sie dazu motiviert, diese Weiterbildung zu abolvieren?
Sowohl vor dem BScN als auch vor dem MScN war ich motiviert, mehr zu lernen. Ich wollte mein Wissen vertiefen. Ich bin bis heute von Menschen mit einer schlüssigen Argumentationsfähigkeit beeindruckt. Ich wollte lernen, in der Pflege zu argumentieren. Es war mir auch wichtig, stichfeste Argumente zu liefern. Also fundierte, evidenzbasierte Argumente.
Nun für den CAS in Leadership geht es mir darum, dass ich meine Teamleitungen angemessen führen kann. Ich möchte ein Handwerk lernen, um meine Führungskompetenzen zu erweitern.
Welche Bedenken hatten Sie vor Beginn?
Eigentlich stellte sich für mich immer nur die Frage, ob ich der Ausbildung gewachsen bin. Ich habe aber mit jeder Ausbildung gelernt, dass ich reinwachse.
Wie haben Sie diesen Bildungsgang ausgewählt?
Vor dem Masterstudium habe ich mich bei diversen Fachhochschulen beraten lassen. Zudem wusste ich, dass ich langfristig als APN arbeiten wollte. Daher habe ich mir jeweils die Forschungsmodule sowie wie die APN Module spezifisch angesehen.
Beim CAS habe ich mich bewusst für die ZHAW entschieden, da ich bisher alle meine Studiengänge an der OST absolviert habe.
Wie habe Sie Ihre Arbeit und Ihr Studium unter einen Hut gebracht?
Während meinem BScN habe ich nur nebenbei gejobbt, das ging gut. Neben dem MScN habe ich 40-60% gearbeitet. Damals empfand ich das auch als Abwechslung zumStudium. Zeitweise, gerade in Prüfungsphasen, war die Kombination aus Studium und Arbeiten im Pflegealltag sehr streng. Ich habe immer darauf geachtet, in den Semesterferien mehr zu arbeiten, damit ich es während der Prüfungszeit etwas ruhiger angehen konnte. Ich hatte damals auch viel Unterstützung aus dem Management.
Was sind die bereicherndsten Aspekte der Weiterbildung?
Die Wissenserweiterung, das Netzwerk, Durchhaltevermögen und vernetztes Denken.
Gab es einen Moment, der Sie besonders geprägt hat?
Während meines zweiten Semesters im Masterstudium nahm die Corona-Pandemie ihren Anfang. Der Unterricht fand online statt. Ich hatte wirklich Angst davor, nur noch zu Hause zu sein – doch in dieser Zeit schrieb ich die besten Noten meines Lebens.
Ein Hindernis, dem Sie begegnet sind, und wie Sie es überwunden haben.
Die Rekrutierungsphase in meiner Masterthesis stellte sich als sehr herausfordern dar, da ich Menschen nach einem Polytrauma rekrutieren wollte, wir uns aber zu Hochzeiten von COVID befanden. Anfangs war ich sehr frustriert und gestresst. Irgendwann musste ich mir eingestehen, dass ich eine Verlängerung beantragen muss.
Wie hat die Weiterbildung Ihre Arbeitsweise oder Ihre Sicht auf den Beruf verändert?
Alle meine Aus- und Weiterbildungen haben mich noch stolzer auf den Pflegeberuf gemacht. Solche Ausbildungen ermöglichten mir jeweils einen Blick von aussen und einen Wechsel der Perspektive.
Empfinden Sie heute einen stärkeren Sinn und eine grössere persönliche Erfüllung in Ihrer Arbeit dank dieser Weiterbildung? Wenn ja, wie zeigt sich das konkret?
Insgesamt ja, ich sehe den Pflegeberuf nun mehr aus einer Aussenperspektive. Durch die beiden Studiengänge habe ich diverse Aspekte des Berufs kennengelernt und nicht einfach nur dieses klassische Bild von «Pflegenden am Bett».
Welche Kompetenzen haben Sie entwickelt oder gestärkt?
Argumentative Kompetenzen, evidenzbasiertes Denken/Wissensaneignung und vernetztes Denken.
Welche Pläne oder Wünsche haben Sie für die Zukunft?
Mit dem CAS möchte ich mein Wissen gerne in Führungskompetenzen erweitern. Ich wünsche mir, dass viele Pflegefachpersonen sich für Aus- und Weiterbildungen interessieren. Engagierte Menschen bringen unseren Beruf voran.
Planen Sie eine weitere Weiterbildung?
Ja, den CAS.