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Wer pflegt mich, wenn ich alt bin?

12.05.2021 - Autor:in: Stefan Glantschnig

Ein Gesundheitswesen mit Zukunft – das wünschen sich alle, doch was heisst das genau? Ein Versuch zu ergründen, was aus Sicht der Langzeitpflege dafür notwendig ist.

Wir reden nicht gerne über den Tod, das eigene Ableben. Genauso wenig fällt es uns leicht, uns einzugestehen, dass der Körper sich im Laufe der Zeit ändert und der Rücken oder die Gelenke zu schmerzen beginnen oder wir an einer Krankheit leiden könnten. Es ist wichtig und richtig, dass wir uns zu Lebzeiten an Möglichkeiten und Chancen orientieren, am Positiven und der Zukunft. Doch zu dieser Zukunft gehört eben auch unser Lebensabend und es lohnt sich allemal, diesen letzten Lebensabschnitt so schön, beschwerdefrei und selbstbestimmt mitgestalten zu wollen, wie es geht – für uns und für andere.

 

Wir sollten heute handeln
Das Handeln für ein Gesundheitswesen mit Zukunft muss jetzt beginnen, auf allen Ebenen und koordiniert. Sind wir von einem Leiden betroffen, wissen wir uns dabei im Idealfall noch selbst zu helfen, häufig sind wir dabei jedoch auf Unterstützung angewiesen. Ob Spitex, Alters- und Pflegeheime oder selbständige Pflegefachpersonen: diese Fachkräfte der Langzeitpflege betreuen und pflegen heute bereits unsere Eltern und Grosseltern. Dafür können wir dankbar sein. Doch bleibt das so?

Es ist unbestritten, dass in der Pflege ein Fachkräftemangel herrscht und dass der Pflegemarkt ausgetrocknet ist – insbesondere in der Langzeitpflege und gerade beim Pflegefachpersonal auf Tertiärstufe. Es ist zu erwarten, dass die Krankheitsbilder und körperlichen Leiden künftig komplexer werden und damit einhergehend auch die erforderlichen Pflegeleistungen. Aufgrund des demografischen Wandels wird die Anzahl Menschen mit langfristigem Pflegebedarf zudem weiter zunehmen. Dieses Mehraufkommen lässt sich längst nicht mehr durch pflegende Angehörige abfedern. Diese erbringen bereits heute mehrere Millionen Stunden an Gratisleistungen, die das Gesundheitssystem zusätzlich kosten würden. Doch diese Helferinnen und Helfer benötigen selber Unterstützung, was die Politik unlängst erkannt hat.

 

Eine aussichtslose Situation?
Sehen wir uns also einer aussichtslosen Situation ausgesetzt? Keinesfalls, sofern wir bereit sind, uns für die notwendigen Rahmenbedingungen einzusetzen. Uns politisch und mit den nötigen finanziellen Mittel zu einer zukunftsfähigen und qualitativ hochwertigen Langzeitpflege zu bekennen. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Ausbildung zur Fachfrau / zum Fachmann Gesundheit die zweithäufigste ist – der Beruf ist vielfältig, spannend und sinnstiftend. Doch es braucht eben auch attraktive Arbeitsbedingungen und Weiterbildungsmöglichkeiten, um diese Fachpersonen in der Langzeitpflege zu halten. Das kostet Geld, aber es lohnt sich. Denn jeder Mensch schätzt es, wenn das Pflegepersonal sich gut um einen kümmert; engagiert sowie mit einer hohen Fach- und Sachkompetenz. Gerade wenn man wie in der Langzeitpflege über eine lange Zeit gepflegt wird.

 

Fördern von Arbeitsmodellen und Weiterbildungsmöglichkeiten
Was braucht es also für die Langzeitpflege als Teil des Gesundheitswesens mit Zukunft? Von Seiten der Politik die notwendige Unterstützung zur Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen wie finanziell ausreichende Abgeltungen für Pflegedienstleistungen oder zukunftsfähige Arbeitsmodelle. Es braucht genügend Ausbildungsplätze und die Förderung von Weiterbildungen, damit die fachliche Qualität gewährleistet bleibt. Und es braucht die Bestrebungen, mehr Personen für die Berufe der Langzeitpflege zu begeistern.

 

Ein Gesundheitswesen mit Zukunft wird langfristig erschaffen
Zu guter Letzt können wir aber alle damit beginnen, die eigene Endlichkeit zu akzeptieren und ein Verständnis dafür zu entwickeln, dass sich ältere Menschen bereits an diesem Punkt befinden und sie sich im letzten Lebensabschnitt gut aufgehoben und geborgen fühlen möchten – von Menschen umgeben, die sie professionell pflegen und sich um sie kümmern und Zeit für sie haben. Damit das auch so bleibt, sollten wir uns bereits heute dafür einsetzen. Ein Gesundheitswesen mit Zukunft entsteht nicht auf morgen, es wird langfristig erschaffen.